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Lucia und Eckehard Günther

Eine ganz andere Perspektive

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Ein Wunderschöner Platz – nicht nur für das Wohnmobil – in Montalcino, in der Provinz Sienna,Toskana

Lucia (55) und Eckehard Günther (70) aus Heppenheim waren 30 Jahre lang leidenschaftliche Segler. Das eigene Schiff lag meist im Mittelmeer: „Wir waren eigentlich immer nur in den Küstenregionen unterwegs und haben es bestenfalls zehn Kilometer weit ins Landesinnere geschafft. Das Hinterland haben wir leider nie gesehen, weil wir das Schiff nicht allein lassen durften“, sagt Lucia. Im Jahr 2014 haben sie deshalb eine ganz neue Entscheidung getroffen: sie wollten mobiler sein, neue Regionen erkunden und die Länder, die sie bisher nur von den Küsten her kannten, auch von der Landseite her kennenlernen.

Weil sie auch künftig sehr autonom unterwegs sein wollten, haben sie sich für das teilintegrierte Wohnmobil „Esprit“ auf Renault-Basis entschieden. Eckehard: „Das Wohnmobil ist gut ausgestattet, weil es voll wintertauglich ist mit einer Warmwasserheizung. Wir haben zusätzlich Sonnenpaneels angebracht, so dass wir jetzt ganz frei stehen können.“ Es sei geräumig für die beiden, die immer zu zweit unterwegs sind. Stehenbleiben, grillen, kochen und übernachten – das können sie seither überall.

Einmal Nordkap und zurück

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Am Polarkreis

Die allererste große Tour führte die beiden über Dänemark, Schweden und Finnland in den Norden von Norwegen – ans Nordkap. „Das war wirklich ein Erlebnis! Leider haben wir das Polarlicht nicht gesehen. Meine Frau arbeitet noch als Lehrerin, während ich schon im Ruhestand bin. So sind wir in den Sommerferien dort gewesen.“ Sechs Wochen lang waren sie unterwegs, haben 8.200 Kilometer hinter sich gebracht. Es ging alles gut, bis auf der Rückfahrt in Kassel die Riemenscheibe der Kurbelwelle brach.

Dank ADAC ist das Fahrzeug schnell in die Fachwerkstatt gekommen und beide ins heimische Heppenheim. „Seitdem sind wir noch 45.000 Kilometer weit gefahren und das Wohnmobil hat prima alle Touren überstanden“, sagt Eckehard zufrieden. Deshalb sind die Günthers auch gleich Mitglieder der Dethleffs Family geworden und waren vor zwei Jahren auf dem Jahrestreffen in Isny.

Im eigenen Bett

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Ein entspannter Ureinwohner Norwegens

Im Sommer geht es nach Spanien zur großen Rundfahrt von Burgos im Norden bis Gibraltar im Süden. Zurück wollen sie zunächst über Land nach Madrid reisen und dann an der spanischen Mittelmeerküste lang bis nach Frankreich und zurück nach Deutschland. Viele der Länder, von denen sie eigentlich nur die Küsten kannten, haben sie mittlerweile mit dem Wohnmobil besucht – Frankreich, Dänemark, Niederlande und Belgien. Jetzt kommt Spanien an die Reihe und danach wollen sich die Günthers in den Osten aufmachen.

„Zuerst geht es an die Masuren nach Polen im kommenden Jahr. Ob Litauen und Lettland dann auch eingezogen werden, müssen wir noch entscheiden“, sagt Lucia. Zwischen den großen Touren fahren sie auch gerne mit „ihrem rollenden Zuhause“ in die Bäder der Region. „Wir besuchen sehr gerne die Thermen, die über Stellplätze verfügen. In Bad Windsheim zum Beispiel können wir unsere altersbedingten Wehwehchen heilen, und die Pausen in Sichtweite im eigenen Zuhause genießen. Wir legen uns dann in unser eigenes Bett. Das ist etwas ganz anderes als ein Hotelbett.“

Kommunen verschlafen Potenzial

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am Nordkap bei stürmischem Wind

Aber kritische Anmerkungen haben die Reisefans trotz aller Freude: Während immer mehr Menschen ihre Liebe zum Wohnmobil entdecken, fehlen allerorts Stellplätze. Dass die Infrastruktur nicht mitwächst, halten sie für ein Problem. „In Spanien muss man oft in Seitenstraßen parken und das ist nicht ganz so schön. Der Wohnmobil-Boom wird irgendwann einen Dämpfer bekommen, weil die Leute so ein teures Gefährt kaufen und dann überall reservieren müssen“, so Eckehard.

Das ist ihm sogar an der Mosel aufgefallen, wo sie gerne ein Wochenende verbringen. Jetzt müssten sie zum Weinfest vorbestellen, weil sonst sind die Plätze belegt seien. Seiner Meinung nach verschlafen viele Gemeinden hier ihre Chance: „Auch in meiner schönen Stadt Heppenheim an der Bergstraße, ein schöner Weinort, eine schöne mittelalterliche Fachwerkstadt, gibt es gar keinen Stellplatz. Die Stadtväter pennen, sie nehmen nicht wahr, dass ihnen die finanzkräftigen älteren Menschen entgehen, die Geld in die Stadt bringen würden.“

Dabei hätte es ihnen die Weltkulturerbe-Stätte Lorsch sowohl praktisch als auch informativ vorgemacht. Dass die Initiative „Pro Mobil“ das Thema in der Aktion „Grünes Licht für Stellplätze“ aufgegriffen hat, gefällt ihnen gut.