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Brigitte und Dieter Heyer

Camping ist unser Ding!

Brigitte und Dieter Heyer sind Camper aus Überzeugung
Brigitte und Dieter Heyer sind Camper aus Überzeugung

Brigitte (67) und Dieter Heyer (68) sind froh, dass sie nicht mehr in Berlin leben. Dort könnten sie ihren Camper nicht bereits am Vortag anhängen und beladen, um gleich am Morgen ihre Tour zu starten. Das Parken mit Wohnwagen war in der Hauptstadt zunehmend zum Problem geworden. Jetzt leben sie zwischen Berlin und Dresden in Lauta in der schönen Lausitz. Dort hat der Wohnwagen mit dem Carport jetzt sein eigenes Dach über dem Kopf und wird regelmäßig aufgebockt, um die Federn zu schonen. Brigitte war Buchhalterin, Dieter war Techniker. Entsprechend haben sie die Aufgaben vor den Reisen aufgeteilt: er kümmert sich um die Technik, sie ums leibliche Wohl.

Wenn das Ziel gefunden ist, teilen sie die Strecke in Routen auf. Im Urlaub wollen sie nicht mehr als 250 Kilometer pro Tag zurücklegen. Er sucht die Campingplätze aus, dabei spielt der Zustand der Sanitäranlagen die Hauptrolle. „Ein Naturplatz mit Plumpsklo sollte es für uns nicht sein“, sagt Dieter. Dafür studiert er die Bewertungen in Campingportalen wie Norwegen Camp, Schweden Camp, ACSI-Campingcard und auch ADAC. Brigitte kümmert sich derweil um die Sehenswürdigkeiten, die sie nicht verpassen sollten.

Kreuz und quer durch Deutschland und Europa

Die Fahne weht zwar schwedisch, hier parkt der Camer aber in Kuopio/Finnland.
Die Fahne weht zwar schwedisch, hier parkt der Camer aber in Kuopio/Finnland.

Die beiden sind erst spät zu Campern geworden und haben ihre Touren zunächst auf Europa beschränkt. So sind sie kreuz und quer durch Deutschland und Frankreich gereist, waren in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen. „In Italien waren wir auch schon mal. Aber im Süden haben wir eher schlechte Erfahrungen gemacht mit den Campingplätzen und den Sanitäranlagen. Auch die Touristenhochburgen an Mittelmeer und Atlantik meiden wir bewusst und bevorzugen kleinere Plätze im Hinterland“, sagt Brigitte. Die seien gemütlicher und man komme mit der Bevölkerung viel eher in Kontakt. Ein tolles Erlebnis hatten sie zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Damals waren sie in Frankreich unterwegs, als sich im Endspiel Argentinien und Deutschland gegenüber standen. „Wir waren die einzigen Deutschen auf dem ganzen Platz und alle Franzosen haben Argentinien die Daumen gedrückt“, erinnert sich Dieter. Als Deutschland Weltmeister wurde, haben die Franzosen den Heyers doch gratuliert und gerne mit ihnen angestoßen. Ursprünglich hatten Brigitte und Dieter geplant, irgendwann viel weiter in die Ferne zu schweißen, aber Touren durch Amerika oder die Türkei reizen sie jetzt nicht mehr.

Freiheit bei Minus 28 Grad Celsius

Dank Fußbodenheizung ist der Camper auch im Winter gemütlich. Nur Schneeschippen muss Brigitte selber.
Dank Fußbodenheizung ist der Camper auch im Winter gemütlich. Nur Schneeschippen muss Brigitte selber.

Stattdessen haben sie ihre Lust auf Camping im Winter entdeckt: „Unser Highlight ist es, im Februar nach Norwegen zu fahren. Wir steuern seit zwölf Jahren immer den gleichen Campingplatz 200 Kilometer von Oslo entfernt an“, so Dieter. Mit dem Schiff geht es von Kiel nach Oslo, denn das spart viele Kilometer auf der Straße: „Man weiß ja nie, wie die Straßenverhältnisse sind. Da oben ist im Winter immer Schnee und Eis. Die Norweger sind nicht so verrückt mit Streuen und Salz. Die fahren auf fester Schneedecke. Das ist uns mit Wohnwagen zu abenteuerlich.“ Eine große Hilfe auf den letzten 20 Kilometern, die es vor dem Campingplatz stetig bergauf geht, ist das Allrad getriebene Zugfahrzeug.

Während in Deutschland der Frühling bereits langsam zurückkehrt, erfreuen sich die Heyers dann am Langlauf in Eiseskälte. Weil sie schon im ersten Wohnwagen gerne im Winter nach Norden reisten, haben sie sich den Camper von Dethleffs, den sie vor zehn Jahren gekauft haben, ebenfalls für den Winter auslegen lassen. Dazu gehört eine Ultraheat, eine elektrische Fußbodenheizung, die für wohlige Wärme sorgt. Nur wenn die Minustemperaturen, wie im vergangenen Jahr Anfang März, Richtung dreißig Grad sinken, heizen sie zusätzlich noch mit Gas. Einen großen Vorteil für den kalten Ferienspaß brachte der neue Camper außerdem mit: Er hat einen Meter mehr Platz für die Küche. Und kochen ist ein Hobby von Brigitte.

Manchmal liegt das Ziel im Nebel

Wenn draußen mal gar nichts geht, kann man drinnen immer noch gemütlich Frühstücken.
Wenn draußen mal gar nichts geht, kann man drinnen immer noch gemütlich Frühstücken.

Im vergangenen Jahr haben sie zum ersten Mal ausprobiert, wovon sie dachten, das müsste man auch mal erleben: eine Studienreise. „Wir werden das nie wieder tun, das ist nicht unser Ding! Das ist ja immer eine zusammen gewürfelte Truppe und wir hatten das Pech, dass ein paar Meckerer dabei waren“. So Brigitte. Das hat ihnen einmal mehr gezeigt, was wirklich ihr Ding ist – schon seit 1996: Camping im Sommer, Camping im Winter und im Herbst die Treffs von Dethleffs Family. Da sei man freier und könne sich aussuchen, mit wem man Zeit verbringen möchte.

Fragt man das Paar nach dem schönsten Erlebnis, fällt die Entscheidung schwer. Dieter: „Wir haben nur schöne Erlebnisse.“ Wenn sie sich in Wolfsburg anschauen können, wie der Golf gebaut wird, in Toulouse wie der Airbus entsteht und in Isny wie die Wohnmobile vom Band laufen, dann schlägt Dieters Herz höher. Aber weil beide Humor haben, einigen sie sich auf eine andere gemeinsame Erfahrung: Den Besuch am Nordkap. Das war eine Reise von 6.000 Kilometern. Nur die 200 Kilometer vom Campingplatz waren sie mit dem Auto ohne Wohnwagen gefahren. „Es war mitten im Sommer, es war nur acht Grad warm – und wir haben tatsächlich gar nichts gesehen. Dort war nur Nebel!“, erzählen die beiden lachend.